Donnerstag, 26. Juni 2008

Strand, Arbeit, FIESTA DEL AGUA ... und mehr

Was macht man nach einer Woche am Strand und einer durchgefeierten Nacht? Klar - man fährt so früh wie möglich an den Strand!
Diesesmal ging es nach Salobreña, wo ich noch nie zuvor gewesen bin. Ich kam mit Julia 30 Minuten vor Abfahrt des Busses am Busbahnhof an und wir sahen nur riesig Menschenmassen Schlange stehen, um noch ein paar Tickets zu ergattern. Zum Glück waren die anderen (Markus, Rabea und eine gewisse Regina, von der ich bis heute nicht weiß, wer sie war ...) schon da und hatten für uns alle Tickets gekauft. Wir hatten 30 Minuten vor Abfahrt (fast) die letzten Plätze im zweiten Bus (von 2)!
In Salobreña hatten wir auf dem Weg zum Strand Essen und Wasser eingekauft (und dank Markus, der immer sein Messer dabei hat (unser kleiner Pfadfinder ;-) ), konnten wir uns Brote schmieren und eine Wassermelone schlachten).

Der von Wasser bedeckte Teil des Strandes in Salobreña fällt sehr stark ab, sodass man schon ab einer Entfernung von ca. 3 Metern vom Land nicht mehr stehen kann, wenn man dabei gleichzeitig atmen will.
Alle Klarheiten beseitigt? Dann nochmal auf Deutsch: Der Meeresboden fällt steil ab, sodass man nach 3 Metern Entfernung vom Strand schon schwimmen muss.
Auf dem Wasser war übrigens ständig irgendein seltsamer Film, der aber zum Glück nicht zum Thriller wurde (Markus und ich hatten unseren Spaß mit diesen Scherzen).

Nach diesem entspannenden Samstag folgte ein harter Sonntag. Im Fach Kryptographie mussten wir neben den umfangreichen Praxisaufgaben (50%), der 230-Seiten-Skript-Klausur (30%) auch noch eine Hausarbeit (20%, Thema: La máquina Enigma) schreiben und anschließend ein Referat darüber halten.
Da keiner von uns (Sadi, Christoph und ich) wirklich noch Lust hatte, sich damit zu befassen, haben wir uns einfach des Weltwissens bedient (was in Spanien aber normal zu sein scheint - zumindest bei Hausarbeiten!!!) und ein paar Sachen ausgelassen. Die Arbeit, die wir uns machen mussten, war nur noch den Text ins Spanische zu übersetzen - was bei dem Fachvokabular auch schon einen ganzen Schein wert ist (nicht nur 20% wie in diesem Fall). Von den 17 Seiten hatte Sadi schon im Laufe der letzten Woche 5 übersetzt. Für die übrigen 12 haben wir zu dritt 8 Stunden gebraucht (bei paralleler Arbeit und nur 1,5 Stunden Mittagspause). Es waren aber gefühlte 24 Stunden - es war heiß, lästig, das Internet (Spanischwörterbücher) hat nicht mitgespielt, Sadis Mitbewohner waren einfach nur spanisch (--> laut) und ich hatte was besseres zu tun (die Ratten). Schließlich waren wir gegen 20 Uhr fertig und konnten noch eine kurze Pause einlegen, bevor es zum Fußball ging (Italien gegen Spanien; Christoph ist aus Italien). Ich war an diesem Abend auf der italienischen Seite (aber nicht gegen Spanien), aber es hat nichts gebracht. Christoph war nach dem Spiel nicht gerade gut gelaunt und wir haben in der Chupiteria zum ersten Mal den Chupi Nr. 25 getrunken (Tequila-Rum-Gin-Vodka) - hat besser geschmeckt, als er sich anhört (ich hatte schon einige, die schlimmer waren).

Montag, 23. Juni 2008. Ein Tag der ganz normal angefangen hatte, aber mit etwas sehr außergewöhnlichem endete, doch dazu später. Da Anjas Geburtstag nahte (24. Juni), haben wir endlich unser Vorhaben in die Tat umgesetzt und unseren Granada Soundtrack zusammengestellt. War gar nicht so einfach, sich für bestimmte Lieder zu entscheiden, oder in dem (mittlerweile) großen Chaos auf meiner Festplatte alle Lieder zu finden. Aber wir haben es doch noch geschafft. Nach einem kurzen Einkauf für den Abend, habe ich den restlichen Tag wieder damit verbracht, meinen Ratten das Benehmen beizubringen.


----------------- FIESTA DEL AGUA DE LANJARON ---------------

Um 19 Uhr sind wir mit dem Bus in Richtung Lanjaron aufgebrochen - ein Dorf in der Naehe von Granada, das fuer sein Mineralwasser sehr bekannt ist. In dieser Nacht - der Nacht auf den 24. Juni - wird ueberall das Fest des San Juan gefeiert. Normalerweise mit grossen Feuern - ausser in Lanjaron, hier ist das Wasser der Herrscher.
Gegen 20 Uhr kamen wir an unserem Ziel an. Zunaechst hatten wir genug Zeit, uns das Dorf und die dortige Feria anzusehen. Nach einem leckeren Abendessen (patatas asadas) sind wir durch das Dorf spaziert und haben auch ein paar Tapas gegessen (auch hier gab es sie gratis, weil wir noch fast in Granada waren). Ueberall in den Strassen konnte man schon Vorbereitungen fuer das anstehende Fest erkennen. An jeder Ecke wurden Wassereimer und Wasserpistolen verkauft. An der Hauptstrasse standen ein paar LKWs deren Ladeflaeche mit Wasser gefuellt war. Und in den Gebaeden an der Hauptsrasse, die grosse Fenster haben, versammelten sich Menschen, die das Fest sehen, aber nicht nass werden wollten.
Gegen 23:30 Uhr haben wir uns wieder am Bus getroffen, um uns fuer die Wasserschlacht fertig zu machen (der Bus war etwas ausserhalb des Dorfes geparkt). Das bedeutet: Alle Wertsachen ablegen, elektronische Geraete im Bus lassen, moeglichst wenig Kleidung anbehalten und natuerlich Wasserpistolen mitnehmen.
Eigentlich sollte es erst um 0 Uhr losgehen, aber sobald alle Leute ihre Pistolen und Eimer hatten und an der ersten Wasserquelle ankamen, wurde die Wasserschlacht inoffiziell eroeffnet. Am Anfang gaben wir uns Muehe, uns nicht gegenseitig nass zu spritzen (ausser Sadi und Christoph, die wegen der EM noch eine Rechnung offen hatten ... Italien ist rausgeflogen und Sadi hatte sich darueber lustig gemacht ...). Die ersten Treffer, die man von den Wasserpistolen abbekam waren noch schlimm und sehr kalt. Aber es waren nur kleine Wasserstrahlen, denen man leicht entkommen konnte - das sollte sich schnell aendern.
Als wir wieder in der Stadt ankamen, was es zwar noch vor Mitternacht, aber es war trotzdem schon richtig nass. Erst hier fiel einem auf, wie das Dorf aufgebaut ist: Es besteht aus einer langen Hauptstrasse, an deren beiden Seiten mehr stoeckige Hauser stehen. Das fiel deswegen auf, weil ALLE Bewohner dieser Haeuser am Fenster standen und Wassereimer nach unten kippten, oder aus Gartenschlaechen Wasser nach unten gossen. Wir kamen uns vor, wie in einer Schlucht deren Grund sich binnen weniger Minuten in einen Fluss verwandelte. Und wir waren mittendrin. Nach nur 10 Minuten war jeder von uns nass von Kopf bis Fuss - und es war kalt! Unsere Wasserpistolen waren zu nichts mehr zu gebrachen, weil ihre "Wasserkraft" laecherlich gering war. Nur noch die Leuten mit den Eimern konnten etwas ausrichten. Unterdessen wurden wir immer nasser und uns wurde kaelter. Irgendwie zwischen den Wassermassen gerieten wir in den Strom der etwa 15.000 Menschen. Deren Ziel bestand scheinbar darin vom Dorfrand in die Ortsmitte zum Hauptlatz zu kommen - und wir schwommen einfach mit dem Strom (ausserdem war es in den Menschenmassen nicht so kalt, wie ausserhalb). Unterdessen tauchen immer wieder lustig angezogene Menschen auf. Einige hatten Strandklamotten, andere trugen Neoprenanzuege, es gab welche mit Rettungringen und Schwimmfluegeln und auch welche, die einfach nur mit einer Muelltuete bekleidet waren.
Auf einmal tauchten mitten in der Menge ein paar Chicos mit Trommeln auf und trommelten einen Tackt, zu dem gesprungen und gesungen wurde. Neben Fussballliedern gab es vor allem viele Wasserlieder bzw. Wasserrufe zu hoeren: "dulce agua, dulce agua - jey, jey, jey" oder das Gleich mit "mucho agua". Sehr interessant war auch das Lied, von dem keiner von uns den ersten Teil verstanden hat. Der zweite war: "... donde esta el agua porque no lo veo!" ("wo ist das Wasser, ich sehe es nicht") - was immer oefter gesungen wurde, je mehr Wasser von oben runterkam.
Und es kam wirklich viel Wasser auf uns zu - nicht nur von oben. Je weiter man kam, desto mehr Menschen haben ihre Eimer und Gartenschlaechen auf den Daechern oder Balkonen eingesetzt. Dann kamen aber noch am Boden aufgestellte Feuerwehrschlaeche dazu - davor gab es ueberhaupt kein Entrinnen mehr. Schritt um Schritt, Wassereimer um Wassereimer, kamen wir der Dorfmitte immer naeher. Als wir schliesslich dort waren, sahen wir einen erhoehten Platz, eine Art Buehne, von der gleich drei Leute mit Feuerwehrschlaechen in die Menge schossen. Wir haben diese Buehe einmal umrundet und haben uns wieder auf den Rueckweg gemacht. Die Strassen waren schon deutlich leerer und als schliesslich um 1 Uhr nachts der Kanonenschuss ertoente, der das Ende der Schlacht ankuendigt, war die Schlacht auch schlagartig zu Ende. So, als ob sich alle auf einmal wieder daran erinnert haben, dass in Andalusien eigentlich Wasserknappheit herrscht und alle gleichzeitig mit dieser Verschwendung aufgehoert haben.

Fuer alle, die sich ein Bild (eher ein Video) davon machen wollen: Bei youtube gibt es unter dem Suchbegriff "carrera de agua" einige Videos mit dem Titel "San Juan Lanjaron 2008 Carrera de Agua Water Fight X", wobei das X eine Zahl ist. Bei X = 2 kann man in den letzten Sekunden sehen, wie Sadi vorbeiläuft.
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Am Bus haben wir uns die Ersatzklamotten angezogen - endlich war es wieder warm! Aber die eine kalte Stunde hat sich für den riesigen Spaß richtig gelohnt!
Sobald alle Schäfchen im Trockenen waren, ging es weiter nach Salobreña an den Strand. Hier fand ein „echtes“ San Juan Fest statt. Am strand gab es ein riesiges Feuer (den Holzhaufen dafür hatten wir vor ein paar Tagen gesehen, als wir hier baden waren) und überall kleine Lagerfeuer. Von dem großen Feuer war leider nicht mehr viel als ein heißer Aschehaufen übrig (wir kamen erst gegen 3 Uhr am Strand an). Aber er strahlte immer noch viel Hitze ab. Wir haben uns einen gemütlichen Platz gesucht und auf Anjas Geburtstag angestoßen (es war schon nach Mitternacht und somit der 24. Juni). Am Strand gab es auch eine Disko, aber die hat uns nicht interessiert.
Irgendwann ist Sadi rumgelaufen und wollte eine Abkürzung am Aschehaufen vorbei nehmen - leider geriet er mit seinen Füßen in heiße, aber nicht mehr leuchtende Asche - das gab ein paar Verbrennungen (Sadi immer mit seinen Fußunfällen ...).
Gegen 6 Uhr ist der Bus wieder zurück nach Granada gefahren. Rabea, Julia und ich beschlossen, am Strand zu bleiben und am nächsten Tag das Meer zu nutzen. Sadi wollte es eigentlicht auch, aber er hat sich doch lieber für einen Arztbesuch entschieden...

Kurz bevor der Bus gefahren ist, kam die Feuerwehr und hat den Aschehaufen unschädlich gemacht - was für uns auch leider bedeutete, dass er keine Wärme mehr abgestrahlt hat. So wurde es in der Nacht doch noch etwas kalt. Aber mit vielen Pullis und Badetüchern haben wir die Zeit bis 8 Uhr morgens gut überstanden. Dann wurden wir und andere Strandpenner ;-) von den Aufräumarbeitern geweckt, die mit einem Bagger die Asche wegräumen wollten. Die Sonne war schon draußen und mir war richtig heiß in meinen Klamotten. Wir haben unser Lager ein wenig zur Seite verlegt und haben noch bis etwa 10 Uhr geschlafen. Sobald wir wach wurden, war der Strand wieder komplett sauber und für Touristen freigegeben (in der Zwischenzeit kam ein anderer Bagger um die großen Müllberge wegzuräumen und ein großer Fusstrupp der Stadtreinigung, um den restlichen Müll aufzusammeln).
Nach einem Frühstück bestehend aus Kaffee und Orangensaft in einer der Strandbars, konnten wir das Meer genießen. Julia ist gegen 13 Uhr gefahren, Rabea und ich blieben bis 15 Uhr. Als wir dann aber Bustickets kaufen wollten, hieß es, der Bus wäre ausverkauft und wir müssten bis halb 5 warten. Glücklicherweise waren im Bus aber doch noch ein paar Plätze frei, sodass wir mit unseren halb 5 Tickets schon um kurz nach 3 fahren konnten.
Kaum in Granada angekommen, ging der Unistreß weiter. Ich bin mit Sadi nochmal unseren Quellcode für Kryptographie durchgegangen, weil wir am folgenden Tag unser Referat über die Enigma halten mussten und anschließend unserer praktischen Aufgaben vorstellen. Ich konnte mich aber nicht mehr an Vieles erinnern und habe zu den meisten „Bitschiebereien“ nur die Kommentare vorgelesen oder gesagt „das ist Teil des DES/RSA/blabla Algorithmus ...“. Dadurch war die gesamte Sache schnell abgehackt und wir konnten mit Anja Geburtstag feiern (natürlich wieder Tapas essen und danach etwas in der Chupiteria trinken).

Am Mittwoch (25. Juni) ging es für 11:30 Uhr zur Uni (den Vormittag habe ich wieder mit meinen Ratten verbracht). Wir haben uns natürlich etwas früher getroffen, um die Präsentation ein wenig durchzusprechen. Bei dieser Gelegenheit haben Christoph und ich zum ersten Mal die Folien gesehen, die Sadi zusammengestellt hatte. Nach einem kurzen Gespräch über den Vortrag ging es schon los zum Büro des Profs. Dort mussten wir wie immer etwa eine halbe Stunde warten. Unser Vortrag kam glaube ich ganz gut an, was uns ein wenig überraschte. Bei der Vorstellung unserer praktischen Aufgaben ist auch alles gut gelaufen, nur bei einer Aufgabe gab es ein paar kleinere Fehler.
Zurück in der Wohnung habe ich mich wiedermal mit den Ratten beschäftigt. Estella hatte mich in der Küche abgefangen und gemeint, dass wir jetzt doch die Nebenkosten zahlen - also 50 Euro weniger in meiner Reisekasse.
Außerdem habe ich ein paar e-mail von einem Prof im Spamordner gefunden. Darin hieß es, dass alle, die einen Schein wollen, ihr CG-Projekt am Freitag (27. Juni) vorstellen müssen. Da fliege ich aber mit Caiti nach Barcelona. Habe dem Prof geschrieben, dass ich nicht da bin und warte noch auf eine Antwort, was jetzt zu tun ist.
Abends habe ich Caiti vom Busbahnhof abgeholt und die arme musste mit mir zum Fussballgucken in eine Kneipe gehen. Dafür hat Deutschland gegen die Türkei gewonnen und ich somit die EM. Deutschland war somit im Finale und im zweiten Halbfinalspiel hatte noch Russland gegen Spanien zu spielen - egal wie die EM jetzt ausgeht, eine von meinen Mannschaften gewinnt!

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