Donnerstag, 26. Juni - Tag der letzten Klausur! Und was habe ich gemacht? Natürlich weiter an den Ratten gearbeitet. Um 12 Uhr war dann aber Schluss damit und ich habe mir die Vorlesungsfolien runtergeladen, um so zu tun, als ob ich mich für die Klausur vorbereiten würde. Es war mehr als ich dachte und da ich nie in der Vorlesung war, da gleichzeitig der Spanischkurs lief, habe ich beschlossen, mir nur ein paar Sachen anzusehen. Irgendwie hatte ich aber nicht die Lust dazu. Man kann also sagen, dass das meine zweite Klausur war, zu der ich ohne zu Lernen gegangen bin.
Um kurz vor 17 Uhr bin ich zur Uni gefahren in Erwartung meiner ersten Klausur, bei der ich durchfallen würde. Aber ich wollte mir zumindest ansehen, was für eine Klausur es werden würde. Zuerst kam ein Teil mit Ankreuzaufgaben - 30 Stück in 20 Minuten. Bei den meissten wusste ich aber nicht, was die wollten, weil den Vorlesungsinhalt nicht kannte. Es gab für jede richtige Antwort 0,1 Punkt und für jede falsche -0,05. Man musste in diesem Teil mindestens 0,8 erreichen, um nicht durch die Klausur zu fallen. Ich habe insgesamt 21 angekreuzt, aber etwa (oder genau) die Hälfte davon war geraten. Jeder, der mit der Aufgabe fertig war, ist aus dem Raum gegangen. Sobald alle draußen waren, wurden wir wieder reingerufen und - nein, nicht der zweite Teil der Klausur ausgeteilt. Stattdessen sollten wir den Übungsbetrieb dieses Fachs evaluieren. Ich habe ein paar Sachen hingekritzelt und bin als einer der ersten rausgegangen. Und die anderen haben EWIG dafür gebraucht. Ich hatte schon überlegt, einfach zu gehen, weil sowieso nichts aus der Klausur werden würde. Ich war aber zu neugierig zu erfahren, was genau abgefragt werden würde. Nach 42 Stunden (ok, etwas weniger) wurden wir endlich zum zweiten Teil reingerufen. Es waren zwei Aufgaben: Eine, die ich mir sogar angesehen (aber nicht gemacht) hatte und eine, wo nach meinem Verständnis die Frage gefehlt hat. Bei der ersten habe ich ein paar Sachen hingekritzelt und dann abgegeben. So war ich nach nur 15 Minuten der eigentlichen Klausur fertig - und es war schon kurz vor 19 Uhr.
Wenigsten hatte mir der Prof gesagt, dass ich morgen um halb 11 zu ihm kommen kann, um ihm meine Ratten zu zeigen.
Am Abend gab es das zweite Halbfinalspiel: Spanien gewann gegen Russland und somit wurde das Traumfinale, das hier alle erhofft haben, Wirklichkeit. Um diesen Sieg zu feiern und nicht an den Abschied von Rabea und Anja denken zu müssen, sind wir Tapas essen gegangen. Wir waren im Poë - einer unserer Lieblingsbars. Es war ein schöner, aber auch trauriger Abend, der uns allen sagte: Die Erasmuszeit in Granada geht definitiv zu Ende.
Am Freitag (27. Juni - der Beginn meines letzten Monats in Spanien) bin ich für halb 11 zur Uni, musste aber natürlich wieder auf den Prof warten - einer der Nachteile der spanischen Gemütlichkeit (bisher zähle ich aber mehr Vorteile). Bei meinem Rattenrennen hat der Prof leider nicht auf die schönen Details geachtet, die ich eingebaut hatte, sondern nur darauf, dass meine Kamera nicht immer funktioniert hatte. Eine andere Sache habe ich auch falsch gemacht, aber zumindest bei der Projektvorstellung verstanden, was wirklich verlangt worden war. Weil der Prof natürlich nicht gesagt hatte, das man das Projekt auf CD abgeben muss und nicht wie sonst auf einem USB-Stick, musste ich noch für teure 2,50 Euro die paar wenigen MB im Copyshop auf eine CD brennen, bevor ich die Uni verlassen konnte.
Ich war erst um halb 1 wieder in der Wohnung. Wir haben mit Caiti schnell unsere Taschen geschnappt und sind zum Busbahnhof, um noch den Bus zum Flughafen zu erwischen.
Nach einem nur etwa 60-minütigen, ruhigen Flug waren wir in Barcelona. Mit dem Zug (meine erste Zugfahrt in Spanien!) ging es vom Flughafen in die Stadt und mit der U-Bahn zum Hostel. Wir wohnten direkt an der Station Poble-Sec, noch relativ zentral. Unser Hostel hat sich nicht als Hostel, sondern als eine Wohnung, wo jedes Zimmer einzeln vermietet wurde, herausgestellt. Immerhin hatten wir ein eigenes Bad. Nach einem schnellen Einkauf (fast direkt gegenüber war ein Supermarkt) und Essen haben wir erstmal die Stadt zu Fuß erkundet. Wir kamen bis zum Hafen, wo es neben der Kolumbusstatue auch jede Menge Möven und vor allem Fische zu sehen gab! Man hätte einfach ins Wasser greifen können und mindestens 4 mit einer Hand rausziehen - so viele waren da!
Am nächsten Tag fing das Sehenswürdigkeitenprogramm an. Wir sind zur Sagrada Familia rausgefahren und haben als Studenten nur 5 Euro Eintritt (statt 9) bezahlt. Das Geld wird für den Bau der Kirche verwendet, die im Jahre 2025 endlich fertiggestellt werden soll. Innen gab es außer der Baustelle nicht viel zu sehen. Wir haben eine Stunde Wartezeit und 2 weitere Euronen auf uns genommen, um mit dem Aufzug nach oben zu fahren. Von dort gab es eine schöne Aussicht und beim Fussweg nach unten konnte man sich die Türmchen genauer ansehen.
Nach diesem ersten Gaudíerlebnis sind wir zu Fuß zu einer Straße, die in meinem Kopf namenlos ist, gegangen, wo es noch mehr von seinen Bauwerken zu sehen gab, namentlich "La Pedrera" und "Casa Batlló". In das letztere wollten wir rein, aber es hatte an diesem Nachmittag zu. Auf dem Weg hatten wir uns Sandwiches für einen, wie sich dann rausstellte, Wucherpreis gekauft, die leider nichtmal satt gemacht haben (16 Euro für zwei Sandwiches und eine Pizzastange!). Diese Geldverschwendung haben wir danach mit einem Eis für nur 75 Cent in McDonalds ausgeglichen.
Als nächstes Stand die Erkundung der Altstadt auf dem Plan. Neben einer (mathematischen ;-)) Kirche ("Santa Maria del Pi") waren wir noch in der Kathedrale. Caiti hatte zum Glück einen Reiseführer, in dem drin stand, dass man ab 17 Uhr kostenlos in die Kathedrale kommt - wir haben uns also etwa eine halbe Stunde ausgeruht. In dieser Zeit habe ich versucht die Handynummer von Anja rauszufinden, was mir nach einer Mühe und vielen Anrufen gelungen ist (Anja ist eine Freundin von Rabea und Julia, die als Erasme in Barcelona ist und mit uns in Sevilla war). Die Kathedrale war wie jede andere, typische Kathedrale. Cool war aber, dass es einen offenen Innehof gab, in dem ein Gänsegehege war! Anschließen haben wir uns nochmal die Rambla und einen Markt angesehen und haben beim Abendessen Geld gespart: Nudeln in unserer Hostelküche.
Am Sonntag sind wir zu Fuß gestartet, wir wollten zum Palau Güell. Auf dem Weg dorthin sind wir über die Ramba Raval gegangen, wo eine riesige Katzenstatue stand - aber ohne eine Erklärung warum, oder wofür. Aber sie war trotzdem cool.
Das Palua Güell war leider geschlossen - auch am Montag, was leider bedeutete, dass wir es uns nicht ansehen können würden. Dafür war aber das Case Batlló offen - und als Student muss man „nur“ 13,20 Euro zahlen, um das zu besichtigen ... (normaler Preis: 16,50 Euro). Wir haben es trotzdem gemacht. Das Haus ist nicht nur von außen sehr schön. Von innen wirkt es mal wie ein U-Boot, mal wie ein Meereslebewesen und sehr oft einfach organisch. Wiklich sehr schön - aber teuer. Wie immer nach etwas Teurem: Ein Eis für 75 Cent bei McDonalds.
Danach sind wir in den Parque Güell gefahren. Der Weg war lang und bei der Hitze sehr beschwerlich. Zum Glück gab es viele Rolltreppen, die einem den Aufstieg stark erleichtert haben. Der Park war ebenfalls sehr schön (ist fast schon klar, weil er von Gaudí ist). Aber nach dem Park wurde es eindeutig Zeit für den Strand - auch wenn wir keine Badesachen mitgenommen hatten. Wenigstens würden wir uns dort an der kühleren Luft ein wenig erholen können. Der Strand war total überfüllt - das erste Mal, das ich sowas in meiner Erasmuszeit gesehen habe. Die Kühle hat aber nicht viel geholfen und mir sind ständig die Augen zugefallen. Wir haben uns dann über einen kleinen Umweg durch die Altstadt (vorbei an der Kirche „Santa Maria del Mar“) für eine Siesta ins Hostel begeben.
Am Abend haben wir uns mit Anja am Strand zum Fussballgucken getroffen. Ich muss sagen, dass ich normalerweise Spanienfan gewesen wäre (z.B. wenn ich das Spiel in Granada angesehen hätte), aber wir waren hier mit einer deutschen Gruppe und um uns herum waren viele böse Spanier. Wie ihr alle wisst hat Deutschland verloren und Spanien ist der neue Europameister. Nach dem Spiel haben die Spanien kurz gejubelt und dann war wieder Ruhe. Erst nach einiger Zeit fingen die Hupkonzerte in den Straßen an und dauerten die ganze Nacht an.
Am Montag hatten wir kaum noch Kraft (und Lust) zu Laufen. Sind aber nochmal in die Altstadt zur Kathedrale, um mit dem Aufzug auf das Dach zu fahren (bei unserem ersten Besuch war der Aufzug geschlossen) und eine weiter schöne Aussicht über die Stadt zu genießen. Um 12 Uhr mussten wir wieder zurück zum Hostel, um unser Zimmer abzugeben, konnten unser Gepäck aber zum Glück noch dort lassen. Die nächsten paar Stunden haben wir im Park Montjuic (oder so ähnlich verbracht) und haben danach in Strandnähe einen Döner gegessen. Das Essen und die Hitze haben uns träge gemacht. Aber wir sind trotzdem die Ramba von der Küste aus hochgelaufen und sind in der Mitte zur Ramba Raval abgebogen, um nochmal die riesige Katze zu besuchen. Diesesmal saßen Kinder oben drauf und wollten die ganze Zeit, dass wir Fotos von ihnen machen. Dieses Spielchen wurde aber schnell langweilig und wir noch müder. Zurück im Hostel haben wir uns ausgeruht. Caiti hat gelesen und ich habe im Fernsehen zu dieser ungewohnten Zeit (nach 15 Uhr) Simpsons entdeckt.
Um kurz vor 17 Uhr haben wir uns auf den Rückweg zum Flughafen gemacht. Kaum war das Flugzeug in der Luft, gab es die ersten Turbulenzen und ein Gewitter zog von der Seite auf. Als es auch anfing sehr dicht neben uns zu blitzen, wurde es spannend ... Da wurde mir klar, dass ich nicht weiß, was passiert, wenn ein Flugzeug vom Blitz getroffen wird (ab auf die TODO-Liste damit). Nach einigen weiteren Turbulenzen kamen wir aber gut in Granada an.
Am nächsten Tag (1. Juli) bestand das Programm vor allem aus Ausschlafen, Ausruhen und Wäsche waschen (und daraus, herauszufindne, warum das Internet nicht funktionierte), bevor es am 2. Juli mit der nächsten Tour weitegehen sollte.
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