Letzte Woche Freitag (18. Juli) bin ich um 18 Uhr (habe mein Ticket ändern lassen) nach Madrid losgefahren. Auf der Fahrt wurden die Filme "I am legend" und "Das Leben der anderen" gezeigt - aber aus den Kopfhörern kam nur Rauschen. Die Radiokanäle haben ebenfalls nicht funktioniert. Der Bus kam dort gegen 23:30 Uhr an. Ich bin sofort zum Ticketschalter gelaufen, um für 0:30 Uhr ein Ticket nach Lugo zu kaufen - aber der Bus war schon ausverkauft. Ebenso der Bus um 7:30 und um 9:30. Im Bus um 10:30 gab es zum Glück noch einen Platz frei, den ich mir sofort geschnappt habe. Ich hatte also 11 Stunden Wartezeit in Madrid vor mir! Das hat mich schon mal total demotiviert. Gegen 1 Uhr wurde ich müde und wollte auf den Wartebänken ein wenig schlafen. Doch gegen 1:30 Uhr kam ein netter Sicherheitswächter, der alle Leute aus der Station rausgeschmissen hat, die kein Ticket für 2:30 Uhr hatten ... So musste ich mit ganz vielen anderen vor der Tür oder gegenüber auf der Wiese rumsitzen/liegen/schlafen. Ich habe zuerst nur rumgesessen, mich aber irgendwann hingelegt und wohl auch etwa eine halbe Stunde geschlafen. Kurz vor 5 wurde die Station wieder aufgemacht, aber als ich mich dort auf die Sitzbänke legen wollte, wurde ich freundlich ermahnt, es nicht zu tun. Schnell wurde auch klar warum: Kurz nach 5 war die Station wieder voller Leute und es gab kaum frei Sitzplätze. Bis 10:30 Uhr hat sich die Zeit richtig gezogen, aber schließlich war es dann soweit und ich konnte in den Bus. In diesem Bus haben die Radiokanäle wieder nicht funktionier (ein Video wurde gar nicht erst angemacht). Es gab sehr oft Haltestellen, sodass sich die 7 Stunden Fahrt unheimlich gezogen hat. Ich habe neben einer Frau aus Paraguay gesessen (namens Zenaida) und mich ein wenig mit ihr unterhalten, so ging die Zeit wenigstens etwas besser rum. Die Frau arbeitet seit 2 Jahren als Haushaltshilfe in Spanien und war in dieser Zeit kein Mal zu Hause. Habe auch während einem Stopp mit einem Chico aus Madrid geredet und e-mail-Adressen getauscht - hätte so potenziell einen Ort zum Bleiben, wenn ich mal nach Madrid komme.
Um kurz vor 18 Uhr war ich endlich in Lugo. Der Bus nach Sarria, wo ich den Jakobsweg anfangen wollte, fuhr um 18:30. Im Bus habe ein junges spanisches Pärchen aus Murcia kennengelernt. Sie haben mir ein paar Sachen über den Weg erzählt. In Sarria haben sie mir geholfen, die lokale Polizei zu finden. Danach haben wir uns verabschiedet und uns seit dem auch nicht mehr auf dem Weg gesehen. In der Polizei erhielt ich sofort und kostenlos meinen Pilgerausweis und war somit berechtigt, in Herbergen zu übernachten. Aber diese (auch die privaten) waren schon alle total voll. Ich bin nochmal zu einer gegangen, wo ein großes Sofa im Eingangsbereicht stand, um zu fragen ob ich dort ein paar Stunden schlafen könnte. Die Frau meinte, wenn ich alleine bin, dann hat sie doch noch ein Platz für mich. Das oberste Stockwerk wurde nämlich nicht vermietet, weil dort das Bad renoviert werden soll. Dort hat sie mir ein Bett gegeben (für 5 Euro - ich glaube normal wären 7 bis 10 gewesen). Das war natürlich cool! Aber als ich dann abends dort saß und mein Essen verputzt habe, kam ich mir schon ziemlich allein und verloren vor. Ich war ewig weit weg von Granada, war hundemüde, hatte kaum Geld dabei, nur mit Glück eine Übernachtungsmöglichkeit, keine Ahnung was mich erwartete und ob das Geld überhaupt reichen würde. In den anderen Zimmer habe ich Jugendliche gehört, wie sie sich amüsiert und unterhalten haben - und ich saß allein auf dem Dachboden in einem staubigen Zimmer.
Ausgaben an diesem Tag: Bustickets (Madrid, Lugo, Sarria): ca. 53 Euro. Proviant und Albergue: ca. 10,50 Euro.
Tag 1, 20. Juli 2008 - 32 km
Ich bin kurz vor 4 wach geworden, noch bevor mein Wecker geklingelt hatte. Habe mich langsam fertig gemacht und war schon um 4:30 Uhr auf dem Weg. Draußen war es still und dunkel - von den Blitzen abgesehen. Noch bevor ich aus Sarria raus war, kam auch Donner dazu. Ich passiert den Kilometerstein 111, kurz dahinter hörte der Ort auf und ich befand mich in der Dunkelheit. Zum Glück war die Straße hier asphaltiert und das Grau des Jakobsweges hob sich von der Schwärze der Umgebung ab. So war das nicht lange. Bald war ich im dunklen Wald und kam nur sehr langsam weiter. Nach einer Ewigkeit erreichte ich eine weitere Markierung. Zu meiner Überraschung war es der Kilometerstein 110 - ich hätte wirklich weniger erwartet. Ich ging langsam weiter und schon bald war der Wald zu Ende. Jetzt fing der Regen an. Aber dafür war ich ja vorbereitet und spannte meinen Regenschirm auf (was ich aber vergessen hatte, war ein Gürtel für die Hose - so musste ich sie immer wieder hochziehen). Auf dem Weg war ich der einzige Pilger und die Orte die ich passierte ... naja, im Vergleich zu diesen Orten sind die Eifeldörfer Weltmetropolen ... Beispiel: Eine asphaltierte(!) Straße voll mit Kuhmist und zwei Häusern. Und es gab alle 5 bis 6 km eine solche "Siedlung". Kurz vor 7 Uhr wurde es hell und um 7:15 passierte ich den km-Stein 100! Nur noch 100 km waren übrig - die 100, für die es für Fußpilger die Compostela gibt! Erst gegen 8 Uhr traf ich die ersten Pilger (und bin mit denen direkt in ein Gasthaus bei km 98). Für 2,80 Euro gab es dort ein leckeres belegtes Brötchen. Oder eher ein halbes belegtes Brot! Das Ding war so groß wie mein Kopf und hatte fast eine ganze Packung Käse drauf (es hat mir zum Frühstück und zum Mittagessen gereicht). Die Pilger waren 3 Belgier mit einem Verwandten aus der Provinz Granada (nähe Gaudix, wem es was sagt ;-) ). Ich ging gestärkt und mit Tageslicht schneller weiter (der Regen hatte mit der Dunkelheit zusammen aufgehört). Etwa bei km 95 holte mich ein junger Franzose ein, als ich mehrmals eine Fotopause einlegte. Mit ihm bin ich bis Portomarin gelaufen, wo er auf seine Kumpels warten wollte (oder einfach nur mich loswerden ;-) ). Ich legte auch eine kleine Pause ein, kaufte mir Wasser und wechselte Socken und Schuhe (jetzt trug ich Sandalen mit Socken). Die letzten 10 km haben sich etwas gezogen, aber schließlich kam ich an einer Herberge kurz hinter dem km-Stein 79 an. Es war kurz vor 13 Uhr - und die Herberge war zu. Aber wenigsten war so sichergestellt, dass ich einen Platz bekommen würde. Es handelte sich dabei um eine öffentliche Herberge - das bedeutet: nur 3 Euro pro Nacht. So eine Herberge ist aber sonst wie ein Hostel (Küche, Dusche, Klo). Der einzige Unterschied ist, dass es nur einen großen Schlafsaal mit (in diesem Fall) 30 Betten gibt. Um 13 Uhr konnte ich rein, bekam ein Bett und konnte duschen (es gab aber nur lauwarmes Wasser). Danach kam erstmal eine Siesta von 2 Stunden - was auch bitternötig war. Sonst hatte man auch nicht viel zu tun in der Albergue. Sie befand sich mitten im Nirgendwo. Ich hatte zum Glück ein Buch mitgenommen ("Gespräche mit Gott") und habe angefangen das zu lesen. Konnte mich aber nicht so richtig darauf konzentrieren und bin stattdessen in den Aufenthaltsraum gegangen. Dort habe ich 3 polnische Pilgerinnen kennengelernt und mich ein wenig auf Russisch mit ihnen unterhalten. Das Abendessen kaufte ich in einer Bar direkt an der Albergue (große belegte Brötchen). Habe auch direkt was zum Frühstücken bzw. allgemein für den nächsten Tag gekauft. Als ich zurück in die Albergue kam, war irgendwie alles leer - nur ein Mädel war da. Ich habe sie gefragt, wo denn alle hin sind, weil es hier doch nichts gibt, aber sie wusste es auch nicht. Als wir uns ein wenig mehr unterhalten haben, fand ich raus, dass sie alleine unterwegs ist und am nächsten Tag nach Arzua kommen will (etwa 42 km Weg). Diese Etappe hatte ich auch schon überlegt, aber wegen der große Entfernung wollte ich es nicht wagen - wenn ich den Weg aber nicht alleine gehen müsste, würde ich es machen. Sie meinte, es ist ok, wenn ich mitkomme und so haben wir uns auf 5 Uhr aufstehen und schnell losgehen geeinigt. Sie heißt übringens Laura und kommt aus Italien. Unterhalten haben wir uns auf Spanisch und einem Mix aus Spanisch und Italienisch.
Ausgaben für diesen Tag: Essen, Wasser und Unterkunft: ca. 16 Euro.
Tag 2, 21. Juli 2008 - 39 km
Ich wurde um 4:40 Uhr wach - 20 min vor dem Wecker - und bin direkt aufgestanden. Laura war auch schon wach und packte fleißig ihren Rucksack. Gegen 5:15 Uhr konnten wir losmarschieren. Sie hatte zum Glück eine Taschenlampe dabei, sodass das Umherirren im Dunkeln an diesem Morgen ausfiel. Wir haben ein schnelles Tempo vorgelegt und waren bereits um 7:45 Uhr in Palas del Rei (etwa 14 km). Um nicht zu viel Zeit zu verlieren, stoppten wir nur für 30 min. Meine Füße fingen leicht an zu schmerzen, aber noch ging es recht gut. Auf dem Weg zur nächsten größeren Stadt (Melide, km-Stein 51, weitere 14 km) passierten wir den für mich sehr wichtigen km-Stein 55,5. An diesem war für mich der halbe Weg von Sarria nach Santiago schon vorbei - und das noch vor 11 Uhr am zweiten Wandertag. Um kurz vor 12 waren wir endlich in Melide - und hier taten meine Füße schon richtig weh. Wir kauften Essen ein und stoppten für eine ganze Stunde, aber viel gebracht hatte es für mich nicht. Laura gab mir den Tipp, Schuheinlagen zu kaufen, um das Laufen etwas weicher zu machen. Ich fand welche für 3 Euro in einer Apohteke und tatsächlich ging es damit sofort viel besser - auch wenn die Schmerzen natürlich nicht weg waren. Aber zumindest tat es beim Auftreten nicht mehr höllisch weh. Unser Tagesziel hatten wir inzwischen auf Ribadiso geändert - ein kleiner Ort im Wald kurz vor Arzua. Die Änderung deshalb, weil Arzua als großer Meilenstein auf dem Weg nach Santiago überlaufen sein würde - und wir würden nicht gerade früh ankommen.
Die nächsten etwa 6 km nach Melide konnte ich einigermaßen gut gehen. Laura hatte die ganze Zeit noch keine Beschwerden, aber hier fingen ihre Beine an weh zu tun. Für mich war die Hauptsache nicht stehenbleiben - was sich aber für Fotos nicht vermeiden ließ. Nach jeder Pause musste ich mich aber wieder mühsam ans gehen gewöhnen und erstmal humpeln. Die etwa 5 km danach waren aber die reinste Qual. Ersten finden meine Füße auf einmal an noch viel stärker zu schmerzen. Zweitens wurde es hier richtig gebirgig und die Sonne zeigte sich auch von ihrer besten Seite. Irgendwie hatten wir uns aber auch hier durchgequält (inzwischen war es für Laura auch sehr anstrengend geworden - trotz ihrer guten Schuhe). Auf dem Weg haben wir sogar viele Pilger überholt, die an den Bergen immer wieder Pausen machten. Gegen 15:15 Uhr waren wir endlich in Ribadiso - für eine öffentliche Albergue eine viel zu späte Zeit, denn normalerweise sind schon alle Plätze weg. Wir hatten aber Glück gehabt - von etwa 50 Plätzen waren noch 10 frei! (Zum Glück hatten wir noch kurz zuvor so viele Leute überholen können!!!) Die Albergue war richtig schön und idyllisch an einem Fluß gelegen. Drumherum viele Bäume und Natur pur - irgendwie kam mir das idyllisch und nicht hinterwäldlerisch vor. Ich war auf jeden Fall froh, soviel Weg geschafft zu haben - alleine hätte ich das nicht gemacht, aber dank Lauras "locura" war es möglich.
Als ich irgendwann so weit war, meine Füße entblößen zu können, bot sich mir ein schrecklicher Anblick - daher wird dieser Teil der Beschreibung übersprungen. Na gut, natürlich nicht: Ich hatte an den Fersen mehrere Blasen, einen Hautriss an einer Fußsohle und eine riesige, bereits längst geplatzte Blase an der anderen. Und ich konnte kaum noch gehen ... Es waren zum Glück auch nur noch 40 km und 2 Tage übrig - also genug Zeit, um etwas langsamer zu gehen. Ich habe geduscht, meine Füße medizinisch versorgt, ein paar Sockenpaare gewaschen und mich dann an den Fluss zu den anderen gesetzt. Vor dem Abendessen habe ich mit Laura ein Eis als Entschädigung für den langen Marsch gegessen. Zum Abendessen gab es Brot, Tomaten, Frischkäse und Wurstwaren (wir haben unsere Einkäufe zusammengelegt).
Gegen 21 Uhr lagen schon die meisten im Bett - ich folgte dem verlockenden Beispiel.
Ausgaben für diesen Tag: Essen, Wasser und Eis: ca. 6 Euro, Schuheinlagen und Hostel: 6 Euro.
Tag 3, 22. Juli 2008 - 22 km
Ich hatte Laura schon am Vortag vorgewarnt, dass ich sehr wahrscheinlich keine 30 km gehen werde, um meine Füße ein wenig zu schonen. So war es dann auch.
Wir sind um 5 Uhr aufgestanden - ich war wieder wenige Minuten schneller als der Wecker. Es ging aber erst um 5:40 Uhr los, weil ich zusätzlich zu den üblichen Vorbereitungen noch mühesam meine Füße verbinden und verarzten musste. Aber ich konnte wieder einigermaßen gut und fast ohne Schmerzen gehen. Kurz nach 6 Uhr waren wir in Arzua - überraschend schnell. Hinter der Stadt war der nach meiner Meinung am schlechtesten ausgeschilderte Teil des Weges, aber auch den haben wir gut gemeistert. Kurz nach dem km-Stein 36 gab es zwei gelbe Pfeile - der eine zeigte nach links, der andere nach rechts. Wir entschieden uns für den Weg nach rechts, weil die Straße fußfreundlicher aussah. So liefen wir 3 km lang zwar gelben Pfeilen hinterher, aber es gab keine km-Steine. Das war blöd, weil ich einerseits alle X=0 (mod 5) Steine als Countdown fotografieren wollte - den 35 km habe ich aber verpasst. Und andererseits fällt es einem viel einfachen zu gehen, wenn man sieht, wie die km ständig abnehmen.
Bald kamen meine Fußschmerzen wieder und mit ihnen auch die Beinschmerzen, mit denen Laura schon seit gestern zu kämpfen hatte. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, fast einen Krampf zu bekommen, aber dieser blieb glücklicherweise aus. Gegen 8 Uhr machten wir eine kleine Frühstückspause. Laura hatte kalten italienischen Kaffee aus der Tüte (Pulver) und für jeden ein Schokogebäck.
Gegen 11 Uhr waren wir in Arca angekommen - ich habe beschlossen an diesem Tag nicht mehr weiter zu gehen, weil ich immer langsamer wurde. Laura wollte sich eine Stunde ausruhen, dann aber weiter in das 14 km entfernte Monte do Gozo starten, wo ihr Vater auf sie wartete.
Wir haben eingekauft und unser Mittagessen vor einer Albergue verputzt, in der ich blieben wollte (diese öffnete aber erst um 12). Als es dann 12 war, hatte sich die Albergue als privat herausgestellt - also ein Übernachtungspreis von 10 Euro. Die öffentliche Albergue in der Nähe war aber schon überlaufen. Ich reservierte mir einen Schlafplatz und verabschiedete mich dann von Laura. Wir haben vereinbart, uns am nächsten Tag um 9 Uhr in Monte do Gozo zu treffen und gemeinsam nach Santiago zu gehen.
In der Albergue machte ich erstmal eine Siesta zum Ausruhen. Meine Füße waren zwar besser dran, als am Tag zuvor, aber das Gehen viel mir immer noch schwer. Später am Abend kaufte ich mir über das teure Bezahlinternet in der Albergue meine Bustickets nach Granada zurück - so würde ich wenigstens seelenruhig durch Santiago laufen können, ohne zu fürchten, dass ich keinen Busplatz mehr bekomme (dafür habe ich dann auch gerne 2 Euro Aufschlag pro Ticket bezahlt).
Unterschiede, die mir in dieser Albergue gegenüber eine öffentlichen aufgefallen sind: Auf dem Klo gab es Seife und Papiertücher für die Hände. Es gab KEINE Küche, aber dafür Waschmaschinen (die es aber auch in einigen öffentlichen Alberguen gibt). Außerdem (das wichtigste für meine Rückreise) gab es Bezahlinternet.
Ausgaben an diesem Tag: Essen und Trinken: ca. 8 Euro, Internet: 1,50 und Albergue: 10 Euro.
Tag 4, 23. Juli 2008 - 18 km
Mein Wecker sollte um 4:45 Uhr klingeln, aber viele andere in der Albergue waren schon früher wach und durch sie wachte auch ich auf - also wieder ohne Wecker. Ich habe mich für den Weg fertig gemacht (wieder Füße verarztet und verbunden) und bin so ziemlich genau um 5:23 Uhr los - was mir aber erst später bewusst wurde. Im Wald war es selbstverständlich noch dunkel. Ich leuchtete mit der Digicam, um die Pfeile und den Weg zu finden. Ich kam trotz Dunkelheit gut voran. Meine Füße und Beine haben fast gar nicht weh getan. Hin und wieder blitzte es, es war aber kein Donner zu hören. Am km-Stein 14 holte ich eine Gruppe ein, die eine Lampe bei sich trug. Ich schloss mich ihnen an bis etwa zum km 11.5. Genau kann ich das nicht sagen, da der km-Stein 12.5 der letzte mit Entfernungsangabe war. An diesem passierten wir gerade den Flughafen von Santiago, aber wegen starkem Neben konnte man nichts sehen. Nach dem Flughafen hat es immer wieder kurz geregnet, auch mal stark. Gegen 7:10 Uhr passierte ich den Pseudo-11-km-Stein - ein Stein auf dem eine gelbe 11 geprüht war. Falls es wirklich 11 km waren, so hatte ich bis zu diesem Punkt bereits 100 km zurückgelegt! Ohne km-Steine laufen war irgendwie anstrengender als mit. Ich wusste nie, wie weit ich bin und wieviel Zeit mir noch bis 9 Uhr bleibt, um in Monte do Gozo anzukommen (welches beim km 4 liegen sollte). Ich konnte auch bei weitem nicht mehr so schnell wie am Anfang gehen, weil meine Füße sich so langsam wieder bemerkbar machten.
Schließlich kam der Ort Monte do Gozo - etwas schneller als erwaret, der Weg zur dortigen Albergue zog sich aber lange hin. Den Stempel holte ich mir dort an der Kapelle kurz vor der Albergue um kurz nach halb 9 und Laura und ihren Vater traf ich um 8:40 Uhr. Die Albergue hier war ein riesiges Dorf mit über 100 Plätzen, einer Bar, einem Restaurant und sogar Souvenirladen. Ich frühstückte 2 Bananen und 2 Nektarien. Danach brachen wir auf. Am Fuße des Berghangs an dem die Albergue war, stand ein großer 4 km Stein. Es war also nicht mehr weit.
Nur ein paar Meter weiter konnte man sogar schon ein paar Häuser von Santiago aus dem Nebel rausgucken sehen. Auch in der Stadt gab es gelbe Pfeile, denen man folgen konnte. Sogar zwei Enfernungssteine waren da: Einmal mit 2,574 und das andere Mal mit 2,374 km. Krumm und seltsam aber immerhin eine Entfernung. Gegen 10 Uhr waren wir in der Innenstadt und gegen halb 11 hielten wir bereits unsere Compostela in der Hand. Im Büro, wo es die Dinger gibt, wurde man gefragt, aus welchem Land man kommt, wo man den Weg angefangen hat und ob man in den Gottesdienst geht. Im Gottesdienst wurde aufgezählt, wieviele Pilger aus welchem Land anwesend waren und wo sie ihren Weg begonnen hatten. Es waren richtig viele verschiedene Länder dabei. Aufgefallen sind mir aber vor allem Polen und Deutschland (was aber nicht heißt, dass das die meistvertretenen Länder waren). An diesem Tag (oder Morgen) kam übrigens nur ein Deutscher an, der seinen Weg in Sarria angefangen hatte - ich! Nach dem Gottesdienst habe ich mit Laura Adressen ausgetauscht, um uns die Fotos vom Weg zuzuschicken und mich dann von ihr verabschiedet.
Ich bin dann erstmal durch Stadt und Park gelaufen - oder eher langsam gehumpelt. Irgendwo bekam ich einen Werbezettel für ein Tagesmenü bestehend aus 2 Gängen, einem Nachtisch, Brot und Getränk für nur 5,90 Euro. Meine nächste Mission bestand also darin, dieses Restaurant zu finden - was aber kein Problem war. Beim Bezahlen wurde mir sogar gesagt, dass ich sehr gut Spanisch spreche (ich hatte nach dem ausgewiesenen Studentenrabatt gefragt, aber den gab es nur für die heimische Uni). Danach folgte wieder ein längerer Spaziergang durch die Stadt und der Einkauf von Postkarten und einem T-Shirt. Ich musste noch ein wenig Zeit totschlagen und so saß ich einfach vor der Kathedrale auf dem Platz und war sogar nochmal in der selbigen drin. Später machte ich mich langsam auf zum Busbahnhof, wo ich meine Tickets abholen konnte. Ich verarztete meine Füße, reinigte die Wunden mit Alkoholtupfern und zog mir die Sandalen an. Hier hatte ich auch noch ewig Zeit bis der Bus kam. Irgendwann setzte sich ein älterer Spanier neben mich und wir unterhielten uns über Santiago, den Weg und auch über Granada. Er ist auch total von der Stadt begeistert! Und er meinte auch, dass ich sehr gut Spanisch sprechen kann. Diese Nordmenschen sind eben leichter zu beeindrucken, als die Andalusier mit ihrem Slang ;-)
Ausgaben: Compostelaspende und Einlaminierung: ca. 2 Euro. Essen und Wasser: ca. 8 Euro. T-Shirt und Postkarten: ca. 11 Euro.
Die Busfahrt verlief unspektakulär - lange und unbequem. Ich war von 21:30 bis 6:30 Uhr nach Madrid unterwegs. Und dann nochmal von 8:30 bis 13:30 Uhr nach Granada. Auf der Fahrt unterhielt ich mich mit einem in Madrid lebenden Marrokaner - also insgesamt eine spanischreiche Woche für mich. Hat mir aber sehr gefallen!
Der Weg war auch super - aber beim nächsten Mal mit richtigen Schuhen und mehr Zeit, damit man sich nicht so beeilen muss!
Die Erleuchtung (oder einen Teil von ihr) habe ich übrigens auch erlangt - es wurde mir aber erst klar, als ich mich endlich nach dem langen weg hinsetzen konnte - ironischerweise geschah das in einer katholischen Kathedrale.
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1 Kommentar:
Hi Schätzel! wow, was für einen tollen Eintrag!! ich fühle mich, als wäre ich mit dir gelaufen!! deine arme Füßchen haben mir sooo leid getan, du armer, armer Schätzel!! ich bin aber so stolz auf dich. hat sich alles super angehört, was du gemacht hast.
:-*
Caiti
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