Gestern Abend nach der erfolgreichen Heimkehr vom Jakobsweg habe ich mich mit Markus zum Tapasessen getroffen. Diesesmal aber schon um 20 Uhr, weil meine Mitbewohner zum Abendessen ein "Abschiedsessen" machen wollten (also zwischen 22 und 23 Uhr). Nicht für mich speziell, sondern für alle. Estella fährt in Urlaub und sieht die anderen nicht mehr, bevor die Wohnung aufgelöst wird. Dass ich auch wegfahre, war wohl eher Zufall.
Ich habe Markus erstmal kurz von dem Weg erzählt und ihm dafür gedankt, dass er mein Handy mit 5 Euro aufgeladen hatte, damit ich auch mit der Außenwelt in Kontakt bleiben konnte. Wir sind in eine coole Tapasbar gegangen, wo ich zuvor nur einmal gewesen bin (als DJ und Steffi zu Besuch waren). Mein Ziel für diesen Abend war es, die spanische Delikatesse "Schnecken" zu probieren. Ich muss sagen, diese Tiere schmecken viel besser, als ihr Name vermuten lässt. Auf jeden Fall besser, als Muscheln. Das Einzige was stört, ist, dass man sie ertmal aus ihrem Häuschen rauspulen muss - am Anfang ist das noch etwas aufwändig, aber man hat es schnell raus. Meine zweite Tapa war ein gegrillter Tintenfisch - natürlich viel besser als Schnecken!
Als ich wieder zu Hause war, meinte 2 von meinen Mitbewohnern, dass sie keinen Hunger haben, der dritte war gar nicht da. Nach ein wenig Geschwätz hin und her, hat sich rausgestellt, dass kein gemeinsames Abendessen stattfinden würde und alle stattdessen mit ihren Freunden was machen würden. So viel Verlass ist also auf sie. War im Prinzip nicht so schlimm, so scharf war ich darauf nicht, mit denen allen zu essen - aber dann hätte ich mit Markus doch noch die eine oder andere Tapa mehr gegessen...
Aber da meine Füße sowieso noch viel Erholung brauchten, habe ich beschlossen an diesem Tag nicht mehr rauszugehen und mich auszuruhen.
Freitag - 25. Juli 2008 - mein (vorerst!!!) letzter Tag in Granada!
Gegen 10 Uhr ging ich raus auf die Straße, vorbei am Kino, um zu gucken, um wieviel Uhr "Akte X" läuft, hin zum Uniladen, um für Ola B. eine Stofftragetasche mit Unilogo zu kaufen. Danach nochmal in das Erasmusbüro, um mich nochmal von der Uni abzumelden, diesesmal aber einen Zettel mit meinen Aufenthaltsdaten in Spanien zu bekommen und nicht mit den Semesterdaten. Obwohl es danach noch recht früh war, ging ich zum guten alten "Nido del Buho", um eine Lachsbrottapa am Vormittag zu essen.
Der nächste Teil des Tages verlief ein wenig unspektakulär: Koffer packen und quetschen. Sachen zum eventuellen weglassen aussortieren und nochmal alles rausnehmen und aufs neue reinquetschen.
Am Abend, als alles fertig war, packte ich die letzten "Geschenke" (Klebeband, Dreifachstecker, Julias Sonnenschirm und Kleinkram) für Markus ein und bin zu ihm. Dort an der Plaza de Torros haben wir uns mit Federica getroffen und Markus hat uns eine weiter Tapasbar aus seiner Gegend gezeigt. Fede war total verbrannt von der Sonne und wir machten uns einen Spaß daraus, sie davon zu überzeugen, mit uns am nächsten Tag zum Strand zu fahren. Später kam ein deutscher Kollege von Markus dazu - Fede war wieder nur von Deutschen umgeben - aber es hat ihr sichtlich Spaß gemacht ;-)
Um 22 Uhr, als die Filmzeit langsam näher kam, schnappten wir uns aus Markus' Wohnung einen Sixpack Alhambra 1925 - hatte ich bis dahin noch nicht probiert - und sind zu mir in die Wohnung. Ich hatte noch eine Flasche mit Restbrandy von Julia bekommen (man munkelt, sie stammte von Rabeas Besuchern). Diese Reste haben wir abwechselnd mit dem Bier leer gemacht - pur und leider ohne Eis. Es war schon ein wenig eckelhaft, aber auch nicht so viel. Aber natürlich hatte ich noch mehr Alk: Eine kleines Fläschchen "Lepanto", den ich mir in Jerez im Souvenirshop von Gonzales Byass gekauft hatte. Lepanto ist der teuerste Brandy von Gonzales Byass, ist 15 Jahre alt und sauteuer. Mein kleines Fläschchen, was nicht mal für zwei Chupis des Standards "Chupi 69" gereicht hätte, hat schon 3 Euro gekostet. Fede und Markus' Kollege hatten aber schon genug und so konnten wir den Stoff alleine süffeln. Ich muss sagen, man hat schon einen deutlichen Qualitätsunterschied gemerkt! Also das mit den 15 Jahren und Reifen ist nicht ganz ohne! Da war es aber schon halb 12 - wir mussten schnell zum Kino, um nicht den Anfang zu verpassen. Markus Kollege kam nicht mit, dafür aber die letzten 3 Bier aus dem Sixpack. Da Fede keins wollte, blieb nach dem Film sogar noch eine Flasche übrig (in Spanien - oder zumindest in Granada - ist es erlaubt, eigene Getränke und Speisen ins Kino mitzubringen).
Der Kinosaal war fast leer und der Film zwar nicht schlecht, aber für den Titel "Akte X" hatte irgendwas gefehlt ...
Der nächste Programmpunkt in dieser Nacht war natürlich die "Chupiteria 69". Fede hat sogar die ersten 3 freiwillig mitgetrunken - ohne jeden Zwang unsererseits ;-). Beim letzten wollte sie aber nicht mehr mitmachen. Der coolste Chupi an diesem Abend war natürlich ein 120 (Zutaten frei wählbar). Wir wollten einen Tequila-Sunrise: Also Tequila, Grenadina und Orangenlikör. Aber das letzte gar es nicht, der Barkeerper bot uns stattdessen Marakujalikör an und wir bestellten noch Sahne dazu - da hat er erstmal komisch geguckt, hat sie aber noch draufgesprüht. An diesem Abend gingen alle Punkte an Markus, da er noch am längsten in Granada sein wird. Nach dem letzten Bier, das wir noch aus dem Kino hatten, gingen wir zum Abschluss auf ein Heiniken in die Bar direkt gegenüber - diesesmal war viel los und es gab keine gratis Chupis mehr ...
Gegen vier Uhr war ich in der Wohnung - etwas traurig aber kaum angetrunken. Mein Lieblingsmitbewohner (der Javi mit der Handtasche) saß auch ganz traurig im Wohnzimmer. Er meinte, er hat nach langer Bedenkzeit einen PR-Job bei Eidos in London angenommen und geht im September dorthin. Er und sein Freund haben sich (wohl deswegen?) getrennt - dabei hat er erst vor paar Wochen soviel von ihm geschwärmt... Wir haben uns noch ein wenig über dies und das unterhalten und danach verabschiedet. Ich werde ihn wohl nicht so bald wiedersehen - aber zumindest habe ich seine e-mail Adresse. Irgendwie tat es mir an diesem Abend ein wenig leid, dass ich während meiner Erasmuszeit zumindest mit ihm (wenn schon nicht mit meinen anderen Mitbewohnern) mehr unternommen habe - er ist echt ein lustiger Kauz. Vor allem ein Kauz...
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