Sonntag, 6. Juli 2008

(Strand)Tour Nr. 2 - Tarifa, Tanger, Gibraltar

Urprünglich geplant als Strandtour, wurde dieser Ausflug eher zu einer Tour durch Städte mit Strand. Ich hatte keine Lust den ganzen Weg bis nach Huelva und danach an die portugiesische Küste (und vor allem wieder zurück) zu fahren. Also sind wir mit Caiti erstmal in Tarifa geblieben. Wir haben uns die Stadt angesehen und sind am Nachmittag zum Strand gegangen. Ich wollte auf die Atlantikseite, aber dort war es sehr windig und der Sand flog überall in der Luft. Dafür war der Strand viel schöner und mit viel weniger Leuten. Die Mittelmeerseite, an der wir schließlich gelandet sind, war voll von Leuten aber auch windgeschützt. Hier fassten wir auch den Entschluss, den für den nächsten Tag geplanten Strandausflug nach Caños de Meca ausfallen zu lassen und stattdessen einen Tagestrip nach Tanger in Marokko zu buchen.
Normalerweise kostet die Fähre etwa 70 Euro (hin und zurück) pro Person. Den Tagesausflug gab es aber mit Fähre, Stadtrundfahrt, Stadtführung und Mittagessen für 65 Euro. Wie wir fanden, ein guter Preis. Erst recht, da wir noch nie in Afrika bzw. Marokko waren und diesen Kontinent, den man am Horizont sehen konnte, besuchen wollten.

Es ging am 3. Juli um 11 Uhr mit einer langen Schlange zur Ausweiskontrolle los, bevor wir auf die Fähre durften. Die Fähre ist eines von diesen modernen Schnellbooten, die angeblich in nur 35 Minuten auf der anderen Seite sind (wenn man das Rein- und Rausfahren aus/in dem/n Hafen nicht zählt, stimmt das sogar). Ausserdem schien es bei diesen Fähren normal zu sein, dass sie etwa 35 Minuten zu spät losfahren (sowohl auf dem Hin- als auch Rückweg). Auf der Fähre mussten wir nochmal lange Schlange stehen, um unsere Ausweise von der marokkanischen Polizei stempeln zu lassen. Irgendwann während diesem Schlange stehen ist das Boot losgefahren. Durch das Schaukeln, Stehen und späteres Laufen und Sitzplatzsuchen wurde mir ziemlich übel (ist aber zum Glück ohne Zwischenfälle ausgegangen).
In Marokko mussten wir zuerst durch eine Gepäckkontrolle durch und waren dann offiziell im Land. Uns wurden vom Veranstalter Aufkleber gegeben, die wir an der Kleidung angebracht haben. So hat uns der Reiseleiter erkannt und nach Sprachen sortiert in einen Bus gesteckt. Wir waren im deuschen Bus mit ein paar Franzosen und Spaniern. Unser persönlicher Reiseleiter kam nach ein paar Minuten und der Bus fuhr los (in diesem Moment sah Caiti draußen eine Frau mit einer Fantadosen mit arabischen Zeichen - eine solche zu finden, würde zu unserer Mission an diesem Tag werden). Dieser nette Mensch hat angefangen auf Französisch zu reden und wollte gar nicht damit aufhören. Als ihn ein paar Deutsche darauf angesprochen haben, ob er Deutsch oder zumindest Englisch sprechen könnte, hat er auf Spanisch geantwortet, dass er kein Deutsch kann - und Englisch nur schlecht. „Na toll“, dachten wir. „Jetzt werden wir den ganzen Tag nichts verstehen.“ Zum Glück hat er schnell angefangen zu lachen und uns auf Deutsch gesagt, dass es nur ein Scherz war. Die Stadtrundfahrt ging von nun an auf Französisch, Deutsch und Spanisch weiter - immer abwechselnd - er erzählte oft, aber nicht immer das Gleiche. Wir sind durch die Neustadt gefahren - überall hingen marokkanische Flaggen, wirklich überall. Der Reiseführer erklärte das damit, dass der marokkanische König gerade in der Stadt sei. Bemerkenswert war auch, dass hier Kirchen, Moscheen und Synagogen friedlich nebeneinander stehen. Wir legten einen Stopp ein, wo es die Möglichkeit gab, für 1 Euro einen Dromedar zu reiten. Caiti hat es gemacht und ihr hat es gefallen. Mir hat das Filmen und Fotografieren gereicht. Als nächstes hat uns der Bus in die Altstadt gefahren, von wo aus es zu Fuß weiter ging. Der Reiseleiter führte uns durch die alten Gassen unter anderem zu einem Souvenir- und Postkartenstand. Die Postkarten kamen uns nicht besonders schön vor, waren aber im Nachhinein noch die schönsten der ganzen Stadt. Dann kamen wir an einer Bäckerei vorbei, wo es für 50 Cent leckeres, noch heißes Brot gab. Die nächste Station war ein größerer Platz mit Schlangenbeschwörern. Man konnte sich auch mit den Schlangen fotografieren, was Caiti gemacht hat. An diesem Platz kamen auch die ersten nervigen Straßenverkäufer. Hier waren es Kinder, die einem irgendwelche Kaugummis für 1 Euro verkaufen wollten. Unser Reiseführer meinte vorher schon, wenn wir auf der Straße etwas kaufen, dann bitte nur von älteren Menschen. Die Kinder sollen zur Schule gehen und einen Beruf lernen und nicht am Morgen ein paar Sachen an Touristen verkaufen und denn Rest des Tages faulenzen. Bis hierhin war die Tour ganz angenehm, auch wenn schon auffiel, dass alles perfekt durchorganisiert war und wir als Touristen an Orte geführt wurden, wo wir Geld lassen sollten (Dromedare, Postkarten, Bäckerei, Schlangen). Durch ein paar enge, dreckige Gässchen mit vielen kleinen Läden ging es zu einer etwas größeren Straße, wo wir in einem Restaurant unser Mittagessen bekamen. Es war sehr gut und bestand aus einer Suppe, Fleischspießen, Hühnerbein mit Cous Cous und Gemüse und als Nachtisch marokkanischer Pfefferminztee mit süßem Gebäck. Dazu gab es Livemusik marokkanischer Art.
Am Ausgang des Restaurants warteten bereits Händler auf uns, die uns Fotos von uns mit den Dromedaren und Schlangen verkaufen wollten. Etwas weiter kamen jede Menge nervige Straßenhändler dazu, die das Wort "Nein" in keiner Sprache der Welt verstehen. Die laufen einem hinterher und versuchen (meistens) irgendwelche Bongos zu verkaufen. Wenn man sie ignoriert, gehen sie innerhalb von 2 Minuten mit dem Preis von 10 auf 4 Euro runter. Dann heißt es: "Nur 4 Euro, soviel bezahlt ihr doch für einen Kaffee." Unser Weg führte uns noch zu einem Laden mit vielen handgemachten Sachen (es wurden viele Teppiche gezeigt und erwartet, dass wir etwas kaufen) und in eine Apotheke. Der Apotheker erzählte interessante Sachen über die ganzen natürlichen Heilmittel (von all denen kannte ich nur Arnika). Hier haben einige aus unserer Gruppe sogar noch was gekauft. Diese Apotheke hat übrigens eine Filiale in Worms oder Darmstadt oder irgendwo da. Anschließend sind wir ein wenig über den Markt gelaufen und hatten etwa 40 Minuten Freizeit in einer Einkaufsstraße. Zum Glück waren es nicht mehr, denn die ganzen Straßenhändler nervten schon richtig. Man konnte sich vor ihnen nur in den Läden verstecken. Die Läden waren übrigens alle menschenleer. Die Stadt leidet eindeutig an zu wenigen Touristen, denn alle versuchen einem verzweifelt etwas zu verkaufen. Wir haben in diesen 40 Minuten versucht eine Fantadose mit arabischer Schrift zu finden, fanden aber nur Coca-Cola-Flaschen.
Bald ging es schon zurück zum Schiff, Passkontrolle, Gepäckkontrolle und dann wieder warten bis das Schiff ablegt. In der Schiffskantine gab es schließlich die gesuchte Fantadose, sodass unsere Mission an diesem Punkt beendet war. Ich habe mich direkt in einen Sessel gesetzt und dieses Mal die Fahrt sehr gut überstanden.

Am nächsten Tag (4. Juli) checkten wir aus dem Tarifahostel aus (übrigens das gleiche in dem wir auf der ersten Strandtour übernachtet haben (sogar das gleiche Zimmer: ich hatte Julias "Mief mit Rüschen"-Bett und Caiti hatte das Bett von Rabea)).
Wir fuhren bis zur Stadt "La Linea de Concepción" wo wir unser Auto stehen ließen und die Grenze nach Großbritannien zu Fuß überquerten. Interessant ist, dass man direkt nach der Grenze über eine Landebahn läuft. Die haben nämlich so wenig Platz auf Gibraltar, dass sie eine Straße quer über die Landebahn legen mussten. Gibraltar macht den Eindruck, ein kleines, gemütliches Stück England zu sein. Caiti kam die Stadt vor wie ein Vergnügungspark. Nach einem Stadtrundgang und einem Mittagessen, wollten wir mit der Sesselbahn zum Affenfelsen fahren. Auf dem Weg zur Station standen aber ein paar Leute mit Vans, die meinten, dass die Sesselbahn wegen Wind geschlossen ist. Sie boten uns an, eine Bergtour mit ihnen zu machen, was sich im Nachhinein als total Glücksgriff herausgestellt hat! Mit der Sesselbahn würde man 26 Euro hin und zurück bezahlen und müsste auf dem Berg überall zu Fuß laufen (was schon einiges an Weg ist). Bei diesen Hombres haben wir pro Person 25 Euro bezahlt und wurden über den ganzen Berg gefahren und haben alles Sehenswerte mitgenommen (die Säulen von Herkules, die Tropfsteinhöhlen, die Affen! und noch eine unterirdische Festung mit Kanonen, die auf Spanien gerichtet waren). Dazu gab es immer Informationen vom Fahrer, der uns sehr viel über Gibraltar und den Felsen erzählte. Unter anderem auch, warum die Stadt auf der spanischen Seite "La Linea" heißt: Das war nämlich die "Linie" der Reichweite der britischen Kanonen. Uns wurde eine Tour von 1,5 oder 2 Stunden (weiß es nicht mehr genau) versprochen und sie hat auch fast auf die Minute so lange gedauert. Wenn ihr also vor habt, irgendwann in Gibraltar zum Affenfelsen hochzufahren, kann ich diese Tour nur empfehlen (diese Hombres stehen beim Friedhof auf dem Weg zur Sesselbahnstation).
Nach diesem Ausflug haben wir dem Bus zum Europapoint genommen - einem Punkt mit Moschee und Leuchtturm, vom dem aus man einen guten Ausblick hat. Der Ausblick vom Felsen war aber natürlich viel besser. Gegen 19 Uhr sind wir zurück nach Granada aufgebrochen. Bemerkenswert an diesem Ausflug war, dass es der 4. Juli war, also Independence Day in den USA - und Caiti war im "Vergnügungspark Gibraltar", also Großbritannien.
Am Samstag haben wir abends Tapas gegessen und waren nach Mitternacht wieder in unserer Chupiteria, wo ich zu Ehren eines hier nicht näher benannten Tages einen kostenlosen Spezialchupito bekommen habe.

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